Elektromobilität – Ein Thema, das die Gesellschaft spaltet

Ein neutraler Artikel zur Elektromobilität

Über einen langen Zeitraum habe ich mir Gedanken darüber gemacht, ob ich einen Blogeintrag über das Thema Elektromobilität schreiben soll. Zu unseren täglichen Ritualen gehört die Lektüre der Zeitung ebenso wie die Nutzung von verschiedenen Informationsanbietern über das Smartphone. Über eine Vielzahl von Kanälen erreichen uns so Artikel zum Thema Elektromobilität. Charakteristisch für diese Artikel ist die vehemente Verteidigung der jeweiligen Position – pro oder contra Elektromobilität. Eine vermittelnde Stellungnahme ist nur selten zu finden. Aus dieser Fülle von sich teils widersprechenden Informationen soll der Leser sich eine Meinung bilden. Ich persönlich bin angesichts dieser Reizüberflutung überfordert. Ob es Ihnen auch so ergeht, kann ich nur erahnen. Eben dieses Überangebot an Berichten, Studien und meinungsmachenden Artikeln hat mich dazu bewogen, einen Blogeintrag über den Nutzen von Elektroautos als Dienstwagen und deren Beitrag für den Umweltschutz zu verfassen – in der Hoffnung, eine Orientierung in dem Durcheinander der vorherrschenden Meinungen bieten zu können.

Elektromobilität führt zu neuen Herausforderungen im Fuhrparkmanagement

Vor etwas mehr als zwei Jahren erhielt ich einen Anruf von einem Kunden, der sich für eine Wallbox interessierte und mich fragte, wie er sich eine beschaffen könne und wo diese am besten an seinem Unternehmensstandort zu montieren sei. Ich antwortete mit einer Gegenfrage: Warum er das überhaupt wolle? Er führte weiter aus, dass er einen Mitarbeiter habe, der sich für einen Hybrid als Dienstwagen entschieden habe und für diesen benötige er nun eine Wallbox. Auf meine zweite Frage, warum sich der Mitarbeiter einen Hybrid ausgesucht habe (damals gab es noch keine Vergünstigung bei der Versteuerung), antwortete der Kunde, sein Mitarbeiter wolle etwas für die Umwelt tun. Er gehe davon aus, dass dies der richtige Weg sei.

Seit jenem Gespräch beschäftige ich mich sehr intensiv mit der Elektromobilität und deren Auswirkung auf die Mobilität von morgen. Seriöse Voraussagen zu treffen, ist schwer, doch ich komme immer wieder auf die Frage zurück, ob die Rettung unserer Umwelt allein durch alternativen Antriebsarten erreicht werden kann. Ist es nicht viel mehr ein gesellschaftspolitisches Problem, dass sich in unseren Köpfen manifestiert hat?

Dienstwagen als Statussymbol

Nach zwei verheerenden Weltkriegen bauten die Generationen unserer Großeltern und Eltern das zerstörte Europa wieder auf. Demokratie und Freiheit sowie Wohlstand und ein vereintes Europa waren die Früchte ihrer Arbeit. Das Automobil wurde zum Sinnbild des Wirtschaftswunders, des Aufschwungs und der neu gewonnenen Freiheit. Einfache Fahrten, aber auch weitere Reisen wurden möglich und für die breite Bevölkerung erschwinglich. Eine bis heute geschätzte Freiheit, die sich auch in abstrusen Gewohnheiten ausdrücken konnte: Ende der 1980er hatte ein Freund die Angewohnheit, die 500 Meter lange Strecke zum Zigarettenautomat mit dem Auto zu fahren. Die ausführliche Entwicklung können Sie hier nachlesen. 

In Erinnerung blieben aber auch die Ölkrisen in den 1970er und 1980er Jahren, die teilweise in Sonntagsfahrverboten mündeten und uns vor Augen führten, wie sehr wir uns an den Luxus des Autofahrens gewöhnt hatten. Diese Krisen waren allerdings nicht auf ökologische Gründe zurückzuführen, sondern auf wirtschaftspolitische: Die arabischen Staaten beschränkten die Ölexporte, um politischen Druck auszuüben. Doch anschließend floss der fossile Brennstoff wie zuvor. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man damals nicht schon wusste, dass die Ressource Öl endlich ist und irgendwann versiegen würde.

Der Umweltgedanke fängt beim bewussten Umgang mit dem Fahrzeug an und nicht der Elektromobilität

Es stellt sich die Frage, ob ein Sonntagsfahrverbot heutzutage eventuell ein Schritt in die richtige Richtung sein könnte. Denn es geht schließlich darum, die hart erarbeitete Freiheit bewusster wahrzunehmen und verantwortungsvoller zu nutzen. Ist es denn wirklich notwendig, drei Kilometer mit dem Auto zu fahren, um sonntagmorgens Brötchen zu kaufen? Die Sinnlosigkeit der Zigarettenautomatenfahrt wird jedem schlagartig offenbar, doch nicht die eigenen Fahrten zu naheliegenden Zielen, die auch anderweitig bewältigt werden könnten. Es muss meines Erachtens ein Umdenken bezüglich der Nutzung unserer Freiheit stattfinden und nicht bezüglich der Antriebsart unserer Fahrzeuge. Dennoch betrachte ich den Elektromotor als Alternative, er wird sicherlich ein wichtiges Element eines komplexen Mobilitätskonzeptes werden. Wie groß jedoch dieser Anteil sein wird, kann ich nicht vorhersagen. Dafür gibt es zu viele, vor allem globale Einflussfaktoren, die die Entwicklung mitbestimmen werden.

Liste der förderungswürdigen Fahrzeuge

Seit dem 1. Januar 2019 werden Dienstwagennutzer dafür belohnt, dass sie sich entweder für einen vollelektrischen Wagen oder aber einen Plug-in-Hybrid entscheiden. Letzterer muss allerdings zwei Voraussetzungen erfüllen: 1) er muss weniger als 51g CO2 pro Kilometer ausstoßen, 2) er muss mindestens 40 Kilometer rein elektrisch zurücklegen können. Eine Liste mit den aktuell förderungswürdigen Fahrzeugen wird in regelmäßigen Abständen vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle erstellt und finden Sie hier:

An dieser Liste sollte man sich orientieren, wenn man sich für einen Hybrid oder ein Elektrofahrzeug interessiert. Allerdings ist vorab eine kleine Hürde zu überwinden: Das Unternehmen muss Elektro- und/oder Hybridfahrzeuge als Alternative in seinem Fuhrpark erlauben.  Doch an dieser Hürde scheitert es heutzutage häufig. Es erweckt den Eindruck, als würden sich die Firmen davor scheuen, die automobile Büchse der Pandora zu öffnen – eine nicht ganz unbegründete Furcht der Fuhrparkverantwortlichen.

Probleme der Elektromobilität in der Praxis

Es sei diesbezüglich ein Beispiel aus meiner Praxis erlaubt: Ich betreue ein Unternehmen der IT-Branche, welches das Automobil ganz gezielt als Motivationsschub einsetzt. Das heißt, es ist ein Leasingbudget als Grundlage vorhanden, das jedem Mitarbeiter erlaubt, ein durchaus honoriges Fahrzeug innerhalb seiner Kategorie bestellen zu dürfen. Zudem ist der Anteil der Dienstwagennutzer so groß wie der der Mitarbeiter, die eine Car Allowance (Geld anstatt Dienstwagen) nutzen. Als nun die Steuerreform am 1. Januar dieses Jahres in Kraft trat, wollten einige Mitarbeiter von der Car Allowance zum Dienstwagen wechseln. Rein wirtschaftlich betrachtet ist dieses Ansinnen eine durchaus verständliche Überlegung.

Die Car Policy der Firma schloss die Bestellung eines Hybrid/Elektrofahrzeuges nicht explizit aus und die durchschnittliche Laufleistung (20.000 Kilometer pro Jahr) der Mitarbeiter lag in einem Bereich, der auch für das Unternehmen keine exorbitant wirtschaftlichen Nachteile nach sich ziehen würde. Die meisten am Markt angebotenen Hybridfahrzeuge sind aktuell Kombinationen mit einem Benziner. Doch dadurch wäre das Hybridfahrzeug bei einer hohen Laufleistung teurer als die mit einem Dieselmotor ausgestatteten Dienstwagen.

Beliebtheit der Hybridfahrzeuge als Dienstwagen steigt

Der Wunsch der Mitarbeiter nach Hybridfahrzeugen wurde jedoch immer stärker und den Mitarbeitern drängten sich weitergehende Fragen auf: Wo und wie „tanke“ ich mein Fahrzeug? Gibt es am Unternehmensstandort Möglichkeiten, die Fahrzeuge zu laden? Und wenn ja, gibt es auch ausreichend Möglichkeiten zu laden? Bekomme ich eine Wallbox für mein Zuhause gestellt? Wer bezahlt das? Kann ich über die Wallbox den Strom an meinen Arbeitgeber weiter belasten? Haben wir in Deutschland ein flächendeckendes Netz zum Tanken?

Nachdem man anfänglich versucht hatte, die Büchse der Pandora wieder zu schließen und diese Fahrzeuge von den Bestellmöglichkeiten ausschloss, musste man feststellen, dass dies so nicht mehr funktionierte. Die Politik hatte ihr erstes Ziel, durch einen starken wirtschaftlichen Anreiz die Elektromobilität stärker in den Fokus zu rücken, zumindest bei diesem Kunden erreicht. Der Druck aus der Masse der Dienstwagennutzer wurde zu groß.

Die Umwelt profitiert nicht!

Die Entscheidung innerhalb der Firma fiel auf ein Ja zu Hybrid-/Elektrofahrzeugen. Alles andere wie Wallbox etc. wurde allerdings zur Angelegenheit der Mitarbeiter. Aktuell gibt es zwei Elektroladestationen am Standort des Unternehmens. Ob diese jedoch angesichts der steigenden Nachfrage ausreichen werden, wage ich zu bezweifeln. Wenn die Infrastruktur zum Laden der Fahrzeuge nicht gegeben ist, wird die Wahrscheinlichkeit letztendlich sukzessive steigen, dass der Großteil der Fahrten mithilfe des Verbrennungsmotors zurückgelegt wird. Die Anfahrt an die (Mineralöl)Tankstelle ist dann doch einfacher als die Suche nach der „Steckdose“. Was bleibt, ist der wirtschaftliche Vorteil für den Mitarbeiter, und die Umwelt wird trotz bester Absichten nicht geschont.

Das Problem des globalen Prozesses ist die Verschränkung der Perspektive auf die eigenen Bedürfnisse, das große Ganze, das Allgemeinwohl gerät aus den Augen. Nachdem wir die letzten Jahre verpasst haben, entscheidende Schritte gegen die steigende Umweltbelastung zu unternehmen und die Augen vor dem Kommenden verschlossen haben, ist es nun umso dringlicher umzudenken. Jeder Einzelne muss sich Gedanken darüber machen, welchen Betrag er zu diesem Gesamtprozess leisten kann.

Balance als Lösung

Ich glaube und hoffe darauf, dass wir zu einer Kommunikation der „Balance“ zurückfinden werden. Das heißt, wir sollten einander wieder zuhören und vielleicht auch versuchen, den Standpunkt des Gegenübers zu verstehen oder zumindest anzuerkennen. Ein weiterer Schritt in die richtige Richtung könnte das Hinterfragen unseres eigenen Denkens und Handelns sein. Das Aufgeben radikaler Positionen ist für eine fruchtbare Diskussion sowieso obligatorisch.

Es ist eine spannende, sich schnell wandelnde Zeit mit der wir uns aktuell auseinandersetzen müssen.

Bei allen kontroversen Diskussionen bin ich mir aber sicher, dass unser demokratisches Verständnis

Grundlage dafür sein wird, gemeinsame Lösungen zu finden.

Wir stehen erst am Anfang eines langen Weges. Aber es zeigt sich schon jetzt, dass es keinen Sinn ergibt, das Thema „Elektromobilität im Fuhrpark“ eins zu eins in die heutige Fuhrparklandschaft zu projizieren. Wenn es um Elektromobilität geht, ist es zwingend erforderlich, sich mit dem Thema ganzheitlich zu befassen. Argumente, wie „Meine Fahrer fahren mindestens 30.000 Kilometer im Jahr, da fehlt es an Reichweite“, skizzieren ein Problem. Aber es geht doch letztendlich darum, Lösungen zu finden.

Wir sollten daher versuchen, die finanziellen Anreize zu nutzen, die uns der Bund und auch die Länder bieten, um gemeinsam Lösungen zu finden.

Die TF beschäftigt sich schon seit Langem mit diesem Thema. Wir würden uns freuen, mit Ihnen gemeinsam Lösungen zu erarbeiten und umzusetzen.

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