Quelle: istock/Daenin Arnee
Nachdem wir uns in den letzten Blogbeiträgen mit den aktuellen Entwicklungen und neuesten Technologien auseinandergesetzt haben, wollen wir in diesem Artikel einen Blick zurück wagen. Wir reisen mit Ihnen in die Vergangenheit und schauen auf die Geschichte der Dienstwagen.
Die Erfindung des Automobils
Als 1886 das erste Automobil erfunden wurde, war noch nicht abzusehen, wie sehr diese Erfindung unseren Alltag revolutionieren würde. Zu umständlich schien das erste Fahrzeug seiner Art. Doch das Kernstück – der recht kompakte Verbrennungsmotor – verhieß Großes. In den folgenden Jahren arbeiteten Benz und Daimler sowie weitere Ingenieure an der Weiterentwicklung. Ein weiterer Meilenstein war mit der Serienproduktion erreicht. Mit ihr war es möglich, Automobile schnell und preisgünstig herzustellen. Der wirtschaftliche Anteil der Automobilindustrie nahm ihren Anfang.
Autos erobern die Wirtschaft
Bis das Auto als Dienstwagen genutzt wurde, dauerte es jedoch noch eine Weile. Hauptsächlich setzten sich Automobile im Bereich der Fuhrunternehmen durch und lösten nach und nach Pferde gezogene Kutschen ab. Der Erste Weltkrieg brachte ebenfalls technische Neuerungen im Bereich der Automobilindustrie mit sich. Die Nutzung von Autos zum Transport für Mensch und Material verstetigte sich mehr und mehr. Doch das Privatauto blieb nach wie vor ein Luxusgut, das sich nur die wenigsten leisten konnten.
Erst in den 1920er-Jahren begannen Unternehmen, Automobile für geschäftliche Zwecke zu nutzen, die nichts mit Transport von Gütern zu tun hatten. Anders als heute kamen jedoch keine Angestellten in den Genuss der Automobilität. Die ersten Dienstwagen waren den Führungskräften vorbehalten und hatten vor allem repräsentative Funktionen. Sie sollten als Aushängeschild dienen und Wohlstand, Innovation und Fortschritt vermitteln. So avancierten Dienstwagen nach und nach zum Statussymbol. Wer einen Firmenwagen fuhr, galt als hochangesehen. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich in dieser Zeit Opel und Mercedes Benz.
Von der Kriegsproduktion zur Serienproduktion
Mit der Ressourcen- und Treibstoffknappheit während des Zweiten Weltkriegs wurden Automobile noch exklusiver. Nur wer ein hohes Amt oder eine wichtige Funktion innehatte, konnte noch Dienstwagen fahren. Zeitgleich aber entwickelte sich kriegsbedingt eine auf Masse getrimmte Produktion, die viele Prozesse vereinfachte, was in der Nachkriegszeit zivilen Produktionen zugutekam. Mit dem KdW-Wagen wurde außerdem der Traum eines Autos für Jedermann geschaffen. Das Versprechen eines massentauglichen und erschwinglichen Wagens entpuppte sich jedoch als Propagandablase. Der Vorläufer des VW-Käfers ging nie in zivile Massenproduktion, da alle Ressourcen für den Krieg verwendet wurden. Mit dem Kriegsende zerplatzten auch die Träume und die Anleger standen mit leeren Händen da.
Das Wirtschaftswunder macht mobil
In den ersten Nachkriegsjahren blieben Autos noch ein Luxus, den sich nur wenige leisten konnten. Dienstwagen wie ein Opel Kapitän oder ein Mercedes-Benz 170 S wurden nur an Geschäftsführer oder leitende Angestellte vergeben. Mit dem Wirtschaftswunder kam auch die Verbreitung der Dienstwagen in Fahrt. Mit dem steigenden Wohlstand in den 1960er-Jahren wurde das Auto zum Inbegriff des Fortschritts. Die deutsche Automobilindustrie boomte und immer mehr Unternehmen setzten auf Firmenwagen als Anreiz für leistungsstarke Mitarbeiter. Entsprechend groß war die Nachfrage nach modernen und hochwertigen Dienstwagen. Besonders der VW Käfer wurde in dieser Zeit zum beliebten Dienstwagen. Insbesondere Außendienstmitarbeiter kamen in den Genuss von solchen Fahrzeugen. Der Dienstwagen entwickelte sich vom Statussymbol zum praktischen Arbeitsmittel.
Funktionelle Dienstwagen setzen sich durch
Am VW Käfer lässt sich der Wandel der Dienstwagen zeigen: Neben repräsentativen Aspekten trat nun auch die Funktionalität in den Vordergrund. Dienstwagen wurden zunehmend als Mittel für Geschäftsreisen und Kundenbesuche genutzt. Damit wuchs die Vielfalt der Modelle, die Unternehmen ihren Mitarbeitern zur Verfügung stellten. In gleichem Maße wuchs auch die Verbreitung von Dienstwagen. So konnten auch erstmalig Angestellte, die keine Führungspositionen innehatten, Dienstwagen nutzen.
Dienstwagen als Benefit
Diese Entwicklung nahm vor allem in den 1980er-Jahren an Schwung auf. Es wurde üblich, auch nicht-leitenden Mitarbeitern einen Dienstwagen zur Verfügung zu stellen. In der Folge entwickelte sich der Dienstwagen zu einem Instrument, um junge Talente zu gewinnen und an sein Unternehmen zu binden. Dienstwagen wurden so zu einem Teil des Vergütungspakets, ein klassischer Benefit, mit dem um Nachwuchskräfte geworben werden konnte. Besondere Verbreitung fanden Dienstwagen in der IT- und der Beratungsbranche. Vor allem Mittelklassemodelle wie der 3er-BMW oder der VW Passat waren populär.
Attraktivität durch Steuerersparnis
Besonders attraktiv für Mitarbeiter ist nach wie vor die private Nutzung der Dienstwagen. Mit einem Fahrtenbuch mussten früher private und dienstliche Fahrten dokumentiert werden. Denn die private Nutzung eines Dienstwagens gilt als sogenannter geldwerter Vorteil, der besteuert werden muss. Das Führen eines Fahrtenbuchs war zeitaufwendig und äußerst bürokratisch. Abhilfe schuf die sogenannte „1-Prozent-Regelung“. Sie wurde 1996 eingeführt und legt die steuerliche Belastung für Dienstwagen mit einem Prozent des Bruttolistenpreises des jeweiligen Autos pauschal fest. Kostet ein Fahrzeug beispielsweise 50.000 Euro, werden 500 Euro pro Monat als geldwerter Vorteil versteuert. Mit dieser Regelung stieg die Attraktivität eines Dienstwagens weiter: Es ist keine zeitaufwendige Dokumentation mithilfe eines Fahrtenbuchs mehr notwendig und die steuerliche Belastung ist transparent und vorhersehbar.
Dienstwagen im Mobilitätswandel
In den vergangenen Jahren kamen die Themen Klimawandel und Mobilitätswende auf. Sie revolutionierten nicht nur unseren Alltag, sondern auch unsere Mobilität. Immer mehr Unternehmen setzen mittlerweile Elektrofahrzeuge in ihren Flotten ein. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen spielten sicherlich der Umweltgedanke und die Reduzierung des CO2-Fußabdrucks eine wichtige Rolle. Nach außen lässt sich das eigene Unternehmen so als zukunftsgewandt und modern vermarkten. Zum anderen sind aber auch monetäre Anreize wie Steuervergünstigungen oder staatliche Förderungen ausschlaggebend. So müssen bei einem E-Auto nur 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises als geldwerter Vorteil versteuert werden, wenn der Listenpreis unter 60.000 Euro liegt. Plug-in-Hybride und teurere Elektroautos profitieren ebenfalls von einem steuerlichen Vorteil: Sie unterliegen einer 0,5-Prozent-Versteuerung. Mit diesen Förderungen will der Bund die Mobilitätswende voranbringen und mehr Nachhaltigkeit auf deutschen Straßen implementieren.
Digitalisierung im Dienstwagen
Neben der Nachhaltigkeit spielt die Digitalisierung eine immer größere Rolle in der Dienstwagenbranche. Die Fahrzeuge werden zunehmend vernetzt, mit intelligenten Assistenzsystemen ausgestattet und in digitale Unternehmensprozesse integriert. So lassen sich Routen optimieren und Wartungsintervalle automatisieren. Besonderen Mehrwert bringen Assistenzsysteme, die zur Sicherheit beitragen. Spurhalteassistenten, Adaptive Geschwindigkeitsregelung und vieles mehr sorgen für mehr Sicherheit, aber auch für mehr Komfort in den Dienstwagen und weniger Unfälle, was sich wiederum positiv auf Versicherungsbeiträge und Betriebskosten auswirkt. Mit einer umfangreichen Infotainmentausstattung wandeln sich Dienstwagen zudem in fahrende Büros und dienen nicht mehr nur der Fortbewegung. Über die Sprachsteuerung lassen sich beispielsweise während der Fahrt Emails abrufen oder wichtige Calls führen. Das mobile Arbeiten findet so auf einem anderen Niveau statt und spiegelt die veränderten Arbeitsbedingungen und Anforderungen an einen Dienstwagen wider.
Mobilitätskonzepte und New-Work
Zur modernen Mobilität von Firmen gehören auch neuartige Mobilitätskonzepte. Insbesondere in Großstädten verzichten Unternehmen mittlerweile häufig auf Dienstwagen und suchen nach anderen Wegen, um ihre Mitarbeiter mobil zu halten. Ein Baustein eines solchen Mobilitätskonzeptes ist Corporate Carsharing. Statt jedem Mitarbeiter ein Fahrzeug zur Verfügung zu stellen, gibt es einen Carpool, auf den Mitarbeiter flexibel nach Bedarf zugreifen können. Dadurch werden Kosten gespart, vorhandene Fahrzeuge effizienter genutzt und Flexibilität gewahrt. Darüber hinaus stehen häufig Mobilitätsbudgets als weiterer Baustein zur Verfügung. Statt eines Dienstwagens erhalten Mitarbeiter ein festes Budget für verschiedene Verkehrsmittel wie Dienstfahrräder, Mietwagen oder Öffentliche Verkehrsmittel. Diese Entwicklung hat in den vergangenen Jahren an Fahrt aufgenommen, ist aber noch lange nicht abgeschlossen. Experten gehen davon aus, dass Flexibilität und alternative Mobilitätslösungen eine noch größere Rolle spielen werden.
Autonomes Fahren
Der nächste Schritt in diesem Transformationsprozess des Dienstwagens ist das autonome Fahren. Die Entwicklung selbstfahrender Autos ist in den vergangenen Jahren durch künstliche Intelligenz weit vorangeschritten, auch wenn der Einsatz im Alltag noch auf sich warten lässt. Mit autonom fahrenden Autos würde mobiles Arbeiten eine völlig neue Qualität bekommen. Beispielsweise könnten Mitarbeiter ihre Fahrtzeit produktiv nutzen – hier kommt die bereits erwähnte Digitalisierung zum Tragen –, anstatt selbst zu fahren. Da autonome Fahrzeuge zudem weniger fehleranfällig als menschliche Fahrer sind, könnte das Unfallrisiko stark sinken, was zu geringeren Versicherungsprämien für Firmenwagen führen würde.
Fazit: Die bewegte Geschichte des Dienstwagens
Die Geschichte des Dienstwagens ist eng mit der wirtschaftlichen und technologischen Entwicklung der letzten 100 Jahre verknüpft. Vom exklusiven Privileg für Manager und Unternehmer über ein weit verbreitetes Statussymbol und Arbeitsmittel der Wirtschaftswunderjahre bis hin zu einem flexiblen Mobilitätswerkzeug im digitalen Zeitalter – der Firmenwagen hat sich stetig gewandelt und an die Bedürfnisse von Unternehmen und Arbeitnehmern angepasst. Auch in Zukunft wird er eine Schlüsselrolle in der Arbeitswelt spielen, allerdings zunehmend im Kontext von Nachhaltigkeit und digitaler Vernetzung. So bleiben Dienstwagen weiterhin ein wichtiger Schlüssel für unternehmerischen Erfolg und Zukunftsfähigkeit.